Die Raupe
Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter, dessen Raupen ausschließlich an Eichen fressen. Bekannt und gefürchtet ist er wegen seiner feinen Brennhaare, die ab dem dritten Larvenstadium ausgebildet werden.
Der Name kommt von der charakteristischen Bewegung: Die Raupen wandern in langen Prozessionen, Kopf an Schwanz, von ihren Nestern zu den Blättern und zurück.
In Deutschland hat sich der EPS seit den 1990er Jahren stark ausgebreitet — bedingt durch mildere Winter und trockenere Sommer. Besonders betroffen sind städtische Bereiche mit vielen Eichen, Parks, Alleen und Waldränder.
Brennhaare sind auch in verlassenen Nestern noch jahrelang aktiv. Nester niemals selbst anfassen oder entfernen — auch nicht mit Handschuhen.
Gesundheitsrisiko
Warum sind die Brennhaare gefährlich?
Jede Raupe trägt bis zu 700.000 mikroskopisch kleine Brennhaare. Diese brechen leicht ab und werden vom Wind verteilt. Sie können:
- In die Haut eindringen und Nesselsucht, Rötungen und starken Juckreiz auslösen
- Beim Einatmen Reizhusten, Atemnot und Asthmaanfälle verursachen
- Die Augen reizen und zu Bindehautentzündungen führen
- In seltenen Fällen schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen
Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit Asthma oder bekannten Allergien.
Wann und wo
Wann ist die Gefahr am größten?
Die Hauptaktivität der Raupen liegt von Mai bis Juli. In dieser Zeit sind Brennhaare besonders aktiv. An windigen Tagen können die Haare über mehrere hundert Meter verfrachtet werden — auch auf Balkone und in Wohnungen.
Befallsschwerpunkte 2026 in Deutschland: Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen. Berlin ist in diesem Jahr besonders stark betroffen — Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Friedrichshain-Kreuzberg gelten als Hotspots.
Verhalten
Was tun bei einem Befall?
- Befallene Bäume und Nester weiträumig umgehen — mindestens 50 Meter Abstand
- Kinder und Haustiere fernhalten
- Nichts anfassen, auch keine scheinbar leeren Nester
- Befall hier melden — sofort sichtbar für alle
- Ordnungsamt, Grünflächenamt oder Forstamt informieren
- Professionelle Bekämpfung durch zertifizierte Fachbetriebe veranlassen lassen
Betroffene Stellen mit kaltem Wasser spülen, nicht reiben. Kleidung wechseln und waschen. Bei Atembeschwerden oder starken Reaktionen sofort ärztliche Hilfe aufsuchen — Notruf 112.
Der Eichenprozessionsspinner ist kein eingeschleppter Schädling. Er war immer hier. Lange kam er selten vor. Seit den 1990er Jahren tritt er in immer mehr Städten auf — früher im Jahr, weiter nördlich als zuvor.
Wärmere Frühjahre durch den Klimawandel lassen Raupen und Laubaustrieb der Eichen zeitlich zusammenfallen — günstige Bedingungen für die Art. Was sich verändert hat, sind nicht die Tiere.
Mehr als 2.000 Arten sind auf alte Eichen angewiesen — vom Hirschkäfer bis zum Eichen-Zipfelfalter. Werden befallene Bäume mit Insektiziden behandelt, verlieren viele von ihnen ihren Lebensraum. Artensterben findet nicht nur im Regenwald statt.
Die Meldungen auf dieser Karte zeigen, wo der EPS heute ist. Sie zeigen auch, wohin er sich bewegt.